Einleitung
Viele KMU – ob Produktion, Handel oder E-Commerce – haben ihre Daten auf Einzelrechnern oder gewachsenen Servern verteilt. Backups? Oft lückenhaft.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Fahrschule hatte alle Daten auf einem USB-Stick gespeichert. Als der kaputtging, kostete die Datenrettung 6.000 bis 7.000 Franken. In der Cloud wäre das nicht passiert.
Die naheliegende Idee: "Alle reden von Cloud – schieben wir's einfach rüber!" Das nennt man Lift-and-Shift. Klingt einfach, ist aber der teurere Weg. Warum Cloud Native langfristig mehr bringt, zeige ich in diesem Ratgeber.
Die Herausforderung
Die typische Ausgangssituation bei KMU: IT-Infrastruktur ist über Jahre gewachsen. Das Buchhaltungsprogramm läuft auf einem Windows-Computer, und wenn etwas ausfällt, wird es kritisch.
Die konkreten Pain Points:
- Kein Backup: Daten liegen ungesichert auf einzelnen Geräten. Geht die Hardware kaputt, ist die Wiederherstellung teuer oder unmöglich.
- Hohe Fixkosten: Strom, Hardware, Lizenzen – alles muss bezahlt werden, egal ob das System arbeitet oder nicht.
- Keine Flexibilität: Im Sommer Hochbetrieb, im Dezember wenig los. Die Infrastruktur muss aber immer für die Spitzenlast ausgelegt sein.
- Zeit für Administration: Der Geschäftsführer sitzt bis 23 Uhr an der Buchhaltung, statt weitere Aufträge abzuarbeiten.
Der erste Impuls: Einfach alles 1:1 in die Cloud schieben (Lift-and-Shift). Das Problem: Man verschiebt nur seine ineffiziente Infrastruktur – die Probleme bleiben.
Die Lösung
Warum Lift-and-Shift zu kurz gedacht ist:
Lift-and-Shift bedeutet: Den bestehenden Windows Server kopieren und in der Cloud starten. Das geht schnell, ist aber teuer. Man bezahlt weiter für unoptimierte Ressourcen – nur jetzt in der Cloud statt im Keller.
Cloud Native heisst:
- Software läuft als Applikation direkt in der Cloud
- Noch besser: Software-as-a-Service (SaaS) im Browser oder am Handy
- Kein eigener Server nötig
- Unabhängig vom Computer – läuft auch wenn der Laptop kaputtgeht
- Automatische Backups und Updates inklusive
Die Umsetzung in 3 Schritten:
Phase 1: Analyse
- Welche Systeme gibt es?
- Gibt es bereits SaaS-Alternativen?
- Was muss wirklich selbst betrieben werden?
Phase 2: Migration
- SaaS-Produkte einführen (z.B. moderne Buchhaltung)
- Daten sicher migrieren
- Mitarbeiter schulen
Phase 3: Optimierung
- Kosten optimieren
- Prozesse automatisieren
Beispiele aus der Praxis
Deployment: Von Stunden auf Minuten
Vorher: Eine neue Website-Version aufsetzen bedeutete: Server aufsetzen, konfigurieren, Software installieren. Mehrere Stunden Arbeit.
Nachher: Mit Cloud Native Tools (z.B. AWS Amplify) einfach Zip-Datei hochladen oder GitHub verbinden – fertig in wenigen Minuten. Spart Zeit und Entwicklungskosten.
Kosten nur für tatsächliche Nutzung
Vorher: On-Premise bedeutet Fixkosten – egal ob Hochbetrieb oder Flaute. Im Dezember kostet es gleich viel wie im Sommer.
Nachher: Cloud Native bedeutet: Wenig Betrieb im Dezember = weniger Kosten. Viel Betrieb im Sommer = automatisch mehr Kapazität. Man bezahlt, was man verbraucht.
Zeit für Geschäft statt Verwaltung
Vorher: Handwerker sitzt jeden Abend an der Buchhaltung. Stunden, in denen er kein Geld verdient.
Nachher: Modernes SaaS-Buchhaltungstool automatisiert 70%. Der Handwerker investiert nur noch 30% der Zeit und nutzt die gewonnenen Stunden für weitere Aufträge.
Fazit
Lift-and-Shift wäre schneller – aber die Probleme bleiben. Cloud Native bedeutet nicht alles neu bauen, sondern moderne Services nutzen. Man bezahlt nur für das, was man braucht.
Die Kennzahlen nach 3-6 Monaten:
- 30-50% weniger Zeit für Administration
- Flexiblere Kostenstruktur – keine teure Hardware für Spitzenlasten
- Höhere Ausfallsicherheit – keine teuren Datenrettungen mehr
- Arbeiten von überall – unabhängig vom eigenen Computer
Cloud Native lohnt sich für viele gewachsene KMU, wenn Stabilität, Transparenz und wirtschaftlicher Betrieb zählen. Die entscheidende Frage: Wofür möchtest du deine Zeit verwenden? Für Verwaltung – oder für die Weiterentwicklung deines Geschäfts?